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18.7.2019 - 21:42

Kirchenführung durch St. Matthäus von Pfarrer Karl-Heinz Sülzenfuß

Öffnet einen internen Link im aktuellen Fenster1. Vor der Kirche
Öffnet einen internen Link im aktuellen Fenster2. Am Taufbrunnen
Öffnet einen internen Link im aktuellen Fenster3. Vor dem Altar
Öffnet einen internen Link im aktuellen Fenster4. In der Werktagskapelle
Öffnet einen internen Link im aktuellen Fenster5. Vor dem Tabernakel

1. Vor der Kirche


Wie eine kleine Burg wirkt dieser Platz mit den Häusern, die ihn umgeben. Die hochgezogenen, abgerundeten und durchbrochenen Dachkanten auf den Häusern tragen zu diesem Eindruck bei, ebenso die Balkone des Hildegardisheimes. Nur durch einige enge Portale kommt man auf diesen Platz. Er lädt ein zum Gespräch, hält die Hektik des Alltags draußen, lässt ein wenig Abstand gewinnen zu dem Alltagsgeschäft. Oder man durcheilt ihn sehr schnell, weil man sein Ziel erreichen will.

Herausragend sind zwei Bauwerke auf diesem Platz: die Kirche, die hoch aufragt, und die Kapelle, die wie ein kleines Spiegelbild zu der großen Kirche wirkt. Die Menschen unseres Stadtteils machen Erfahrungen im Leben, die manchmal die Vergeblichkeit und eine Leere hinterlassen. Ihnen ist der Sinn des Lebens verloren gegangen.

Wer diesen Platz betritt, wird durch ein bedeutendes Tor eingeladen einzutreten, den Eingang zur Kirche. Als Gottfried Böhm zwischen 1968 und 1970 diese Anlage baute, schuf er ein Betonzelt; der höchste Punkt ist in der Mitte der Kirche. Damit überragt diese Kirche die umgebenden Bauten. Die Türe lädt deutlich ein zum Eintritt, gibt Schutz durch die Überdachung und die umgebende Mauer. Alle sind eingeladen, herein zu kommen. Sie sollen mit ihrem gezeichneten Ich kommen, das durch viele Lebensformen geschritten ist.

Hier bietet sich ein Du an, das sich nicht entzieht. Und hier trifft sich eine Gemeinschaft, ein Wir, die durch den Geist Gottes gehalten und geformt wird.

2. Am Taufbrunnen

Das Gedächtnis der Menschen wie der Menschheit ist unerschöpflich. Wir haben ein ursprüngliches Verhältnis zum Wasser: anziehend oder ängstlich betrachtend. Wir haben Empfindungen und kennen Geschichten vom Wasser.

Es fällt das große Wasserbecken im Windfang auf sowie das Wasserbecken und Wasserrohr an der Rückwand der Kirche. Hier wird die Erinnerung an die Taufe wach gehalten. Das Wasser spielt eine vielfältige Rolle in den Geschichten unseres Glaubens. 

Die Geschehnisse am roten Meer werden wach, wo das Volk vor die Vergeblichkeit seiner Flucht gestellt wird und erleben muss, dass das Wasser den Fliehenden zur Befreiung verhilft, den Verfolgern zum Tod gereicht. Und dann muss das Volk, das glücklich aus der Sklaverei fliehen konnte, erleben, wie mühsam der Weg in die Freiheit ist. Es schimpft mit Moses und Aaron, den Führern in die Freiheit. Sie ziehen schon lange durch die Wüste und haben Hunger und Durst. Sie sind völlig entkräftet in dieser Steinwüste. Warum sollen sie in der Wüste sterben? Das hätten sie auch in Ägypten gekonnt. Also murren sie in der Wüste bei Meriba. Aber Gottes Geschichte ist noch nicht am Ende. Das ist die Hoffnung aller, die sich hier zum Gottesdienst versammeln.

Aus dem Buch Numeri (20,10f)

Mose und Aaron riefen die Versammlung vor dem Felsen zusammen, und Mose sagte zu ihnen: Hört, ihr Meuterer, können wir euch wohl aus dem Felsen Wasser fließen lassen? Dann hob er seine Hand hoch und schlug mit seinem Stab zweimal auf den Felsen. Da kam Wasser heraus, viel Wasser, und die Gemeinde und ihr Vieh konnten trinken.

Moses schlägt Wasser aus dem Fels         
Bild von Matthäus Merian

Wasser aus dem Felsen, Leben inmitten des Todes. Lebenslange irdische Wüstenwanderung. Durch so viele Formen geschritten, wie wir von Gottfried Benn hörten.
Und dann doch die Entdeckung von Wasser, von einem Lebensquell. Der Gott der Christen ist ein Lebensquell, hier fließt der Quell ewigen Lebens. Hier ist ein Ort, wo das Wasser zur Taufe entnommen wird: neugeboren werden in das ewige Leben Gottes, in die Beziehung zu Gott hinein. Sie trägt ein Leben lang, durch den Tod hindurch.

Bitte nehmen Sie von dem Wasser und machen Sie damit ein Kreuzzeichen.

Das Kreuz ist für uns Christen ein Lebens- und Hoffnungszeichen. An diesem Zeichen hat Gottfried Böhm im Grundriss und Aufriss dieser Kirche Maß genommen. Das Kreuz begegnet uns hier nicht nur als Zeichen, sondern als Raum, der durchschritten werden kann.

Durchschreiten wir die Kreuzform dieser Kirche, um das Maß zu ergehen und so körperlich zu erfassen und versammeln wir uns dann in der ersten Reihe am Altar, der ursprünglich in der Vierung stand.

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3. Vor dem Altar

Ziegelsteine und Beton sind die tragenden Mauern, aus denen die Betondecke nach oben wächst. Emporenartige Balkone und Nischen verlagern die Stadtarchitektur in den Raum. Wie ein mächtiger Marktplatz bindet die Kreuzform Streben und Stützen, Fenster und Giebel in einem Bauwerk zusammen. Das Ganze ist eine begehbare Skulptur, schafft einen hohen großen Raum. In ungewöhnliche Höhe von 23 Metern faltet sich das Betondach. Es bezeichnet den Ort, an dem der Bund Gottes mit den Menschen in der Messe gefeiert wird.

Hier stand ursprünglich der Altar, unter dem höchsten Punkt, und die Gemeinde versammelte sich um den Altar.

Hören wir einen Psalm (26). Er ist das Gebet eines Menschen, der den Altar Gottes umschreitet und sich freut, im Haus des Herrn sein zu dürfen:

Die Bitte eines unschuldig Verfolgten

    Dem Herrn habe ich vertraut, ohne zu wanken.
    Ich umschreite, Herr, deinen Altar,
    um laut dein Lob zu verkünden und all deine Wunder zu erzählen.
    Herr, ich liebe den Ort, wo dein Tempel steht, die Stätte, wo deine Herrlichkeit wohnt.
    Erlöse mich, und sei mir gnädig! Mein Fuß steht auf festem Grund.
    Den Herrn will ich preisen in der Gemeinde.

Weil die Plätze hinter dem Altar von der Gemeinde nicht angenommen worden sind, ist der Altar einige Meter nach hinten gezogen worden, aus der Vierung heraus.

Ziegelsteintürme kennzeichnen andere Orte, die den Bund zwischen Gott und Menschen verdeutlichen: Sakramentskapelle, Taufbrunnen, Beichtraum, Werktagskapelle. Die eingestreuten großen Glasfenster wirken wie Lichtbrunnen, selbst in der Nacht, wenn von draußen die Straßenbeleuchtung in die Kirche hinein leuchtet.

Der Raum reißt aus der Enge des Alltags heraus und bietet doch auch bergende Räume, in denen man sich zurückziehen kann. Der Beter und der Besucher sind nicht immer nur dem großen hohen Raum ausgesetzt. Sie können hier Räume der Geborgenheit finden.

Gott sei Dank

Meine Mutter sagt:
Du bist zu klein.

Der Lehrer meint:
Du bist schwer von Begriff

Der Pfarrer schimpft:
Du bist verdorben.

Meine Kameraden lachen:
Du hast verloren.

Der Berufsberater weiß:
Du bist nicht geeignet.

Der Meister bestimmt:
Der andere ist besser.

Der Leutnant brüllt:
Du hast keine Haltung.


Gott sagt:
Du bist mir ähnlich.

Gott sei Dank!

Die blutrote Farbe an manchen Stellen der Kirchendecke weist hin auf das Blut Jesu, das vergossen wurde am Kreuz, auf die Liebe Gottes, aus der niemand herausfallen kann.
Aber es erinnert auch an das Feuer des heiligen Geistes, der Menschen zur Nachfolge Jesu,
zu einem christlichen Leben befähigt.

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4. In der Werktagskapelle

Aus dem Matthäusevangelium (Mt 9,9):
“Jesus sah einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm.“

Diese Begebenheit ist in Holz geschnitzt, neben dem Eingang zur Kirche. Ein Engel hebt die Schranke hoch und diktiert dem Zöllner Matthäus das Evangelium. Das Werk ist von einem Lehrer, namens Schäfer ( Lehrer an der Schule Reinhold-Schneider-Str. / Baracken, die heute abgerissen sind) geschnitzt worden.
Berufung, Stärkung, Sendung ist der sich schließende Kreislauf. Was Matthäus erfährt, kann er nicht für sich behalten. Es führt ihn hinaus, um von dem Gott zu erzählen, der niemanden ausschließt.

Dass diese Kirche eine Matthäus-Kirche wurde, greift eine alte Tradition auf. An dieser Stelle muss bis in das
17. Jahrhundert eine Matthäus-Kapelle gestanden haben. Es weist darauf hin, dass hier einmal eine Grenze war oder ein Pilgerweg, an dem Menschen vorbei kamen und Halt machten oder Halt machen mussten. Matthäus, einer der vier Evangelisten, gilt als Patron der Reisenden.

Eine Legende besagt, dass er das Weihwasser eingeführt habe, mit dem Menschen sich bekreuzigen, wenn sie den Tag beginnen oder auch das Haus verlassen.

Matthäus

Zöllner
Kollaborateur der Römer
ein Unreiner
verhasst
Gewinnemacher
der kämpft
für die eigene Tasche
würdelos
in den Augen der Frommen

 

Matthäus

Zöllner
heimgesucht
von Gott
unerbittlich
gerufen
würdig gesprochen
Freund zu sein
bis
in den blutroten Tod

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5. Vor dem Tabernakel

 

Aus dem Buch Exodus: (3)

Da brannte der Dornbusch, aber er verbrannte nicht. Da rief Gott aus dem Dornbusch: Mose, Mose! Er antwortete: hier bin ich. Gott sprach: Komm nicht näher heran. Leg deine Schuhe ab, denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden .

Hier steht der Tabernakel in einem Turm. Der Ort der eucharistischen Gegenwart des Auferstandenen wirkt wie ein Kamin. Der Blick des Beters wird nach oben gerissen, so dass einem schwindeln könnte. Der Himmel wird nicht dargestellt. Der bleibt verborgen. Gott ist gegenwärtig und dicht verborgen wie im brennenden Dornbusch.

Auf den Tabernakeltüren ist das Motiv aufgegriffen: die Dornenzweige und die Flammen. Die Tabernakelsäule ist aus Ziegelstein gemauert, in dem Rheinkiesel eingelassen sind. Gott ist verborgen gegenwärtig hier im Rheinland.

Auch hier ist heiliger Boden, nicht nur in Israel. Die Sandalen des Mose sind in den Boden vor dem Tabernakel eingelassen.

Zum Wasser aus dem Felsen kommt das Brot des Lebens. Himmelsbrot wird die eucharistische Speise genannt.

Sie verweist auf das Ziel unseres irdischen Lebens, auf den Wohnort, wo Gott Alles in Allem ist und wir keine Sonne und keinen Mond brauchen, und wo keine Wüste und kein Meriba uns vom trunkenen Glück der Gottesschau trennen.

Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterPanoramaansicht des Kircheninnenraumes

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