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22.10.2019 - 14:40

1. Station: Vor der Kirche

Wir müssen uns eine Heimat bauen, etwas daran tun, um zuhause zu sein. Nirgends wurde das deutlicher als hier an dieser Stelle, an der der neue Stadtteil Garath entstand mit dem Spatenstich am 18.2.1961. Als alle hierher kamen, musste man sich alles suchen, die Schule, die Ärzte, die Kirche. Die Menschen mussten sich aufmachen, um das zum Leben notwendige zu finden. Dieses Unterwegssein ist in der Architektur dieser Kirche aufgegriffen: ein zehneckiges Zelt mit einem breiten Eingang.

Im Modell vorgesehen war ein Turm, der auf diesen Platz und seine Gebäude hinweisen und auch durch sein Geläut auf die Gottesdienste aufmerksam machen sollte. Das alles ist aber nicht gebaut worden. So sucht man die Kirche, das Zelt Gottes unter den Menschen.

Wenn man diesen Platz betritt, dann erkennt man sofort das Hauptgebäude: die Kirche steht für sich alleine. Der Platz schafft Raum für die Kirche, gleichzeitig bindet er das Gemeindeleben an diese Kirche, in dem der verbindende Glaube gefeiert wird. Die Kirche überragt alle Gebäude. So wird klar, wo das Zentrum liegt. Das Leben der Menschen, die diese Gebäude nutzen, hat ein Zentrum, eine Mitte.

Hierzu ein Text von Christiane Bärz

Der Vergessene Gott

Auf dem Marktplatz steht der vergessene Gott

er wartet hinter der Mauerecke
ungehört nach Menschen schreiend
kreuzwund die Hände voll ungenutzter Liebe

bis einer sich verirrt
in das schweigende Haus nebenan
wo er wohnt

einer den er locken kann
Schritt für Schritt
bis zu dem Lichtschacht himmeloffen

und der vergessliche Mensch erinnert
gefunden zu sein wo  Gott ist

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2. Station: in den letzten Bänken Mittelschiff


Wir betreten das Zelt, mit Vordach und Hauptdach. Ein Zehneck - fünf für den Altarraum, fünf für die Gemeinde. Der höchste Punkt ist über dem Altar. Ein großer offener Raum, in dem jeder willkommen ist, nur der Windfang trennt einen Teil des Eingangs ab. Dahinter sollte das Taufbecken stehen, zu dem man einige Stufen herunter geht. Durch die Taufe wird man aufgenommen in die Kirche. Dieses Projekt ist nicht verwirklicht worden. Durch Holzbohlen und ein Teppich ist der Boden eben gemacht. Das Taufsakrament bedarf einer neuen Belebung.

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3. Station: In den ersten Bänken mit Blick auf die Fenster

Die Fenster lassen viel Licht herein, so dass der Raum sehr hell erscheint. Durch das farbige Glas bekommt der Raum stellenweise eine milde, stellenweise eine feurige Atmosphäre.

Über der Eingangstür steht der Pfarrpatron in einer geöffneten Tür: als Bischof klar zu erkennen mit Mitra und Stab in der rechten Hand. Zwischen 1080 und 1085 in Gennep oder in Xanten geboren, am 6.6.1134 in Magdeburg gestorben. Die linke Hand lädt offen ein, die Tür zu betreten über der in lateinischer Schrift steht:
Domus Dei Porta Caeli
- Haus Gottes, Tor des Himmels. Zu seiner rechten, von uns aus links: Menschen, die beinahe zu einer Einheit verschmolzen sind, Mönche, die sich seiner Bewegung angeschlossen haben, die ein gemeinsames Ziel für ihren Lebensweg haben. Zu seiner linken, von uns aus rechts, Menschen, die sich mit dem Glauben auseinander setzen, ablehnend, nachdenken, zustimmend.

Das offene Tor ist ganz in die Farbe der Liebe getaucht, die sich in verschiedenen Fensterteilen links und rechts wiederholt.

Dieses und auch die übrigen Fenster interpretieren, wozu wir uns hier versammeln, wer das Ziel unseres Weges ist. Wir versammeln uns hier zu einem Zwischenaufenthalt.
Wir sehen links die Blindenheilung: Jesus, das Licht. Rechts: die wunderbare Speisung der Menschen, Ganz rechts: das Pfingstereignis und ganz links über der Orgel: das Lob der Schöpfung. Im obersten Kranz sind Bilder aus der Offenbarung: In der Mitte der Engel mit der Posaune, die den Lobpreis Gottes anstimmt. Und dann ringsum die vielen Engel und Menschen, die zum Lob Gottes angetreten sind.

Über dem Altar das Lamm und das Buch mit dem Siegel und die himmlischen Wesen.

So sehr wir hier auf dem Weg sind, damit nicht nur schöne Abschnitte auf dem Weg erleben, sondern auch Tod und Krankheit und Verrat und Boshaftigkeit, so spiegelt das Licht der Sonne uns das Vertrauen von Menschen wieder, die durch sehr schwere Zeiten gegangen sind, aber wussten, dass Gott kommt: am Ende der Bibel, im letzten Vers der Offenbarung des Johannes heißt es: Er, der dies bezeugt, spricht: ja, ich komme bald. Und die Gemeinde seufzt: Amen. Komm, Herr Jesus!

Und wenn es dunkel geworden ist, draußen ist Nacht und in der Kirche brennt das Licht zu einem Gottesdienst, dann werden die mit diesen Bildern empfangen. Dann kann man außen sehen, was wir erhoffen und erwarten und woraus die Christen Trost ziehen.

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4. Station: Altarraum

Hier kommen wir zum Mittelpunkt und Höhepunkt unserer Architektur: dem Altarraum. Nur ein wenig erhöht, steht er inmitten der Menschen, die sich zum Gottesdienst versammeln. Es ist ein viereckiger Stein aus Elbsandstein. An den vier Seiten erkennt man drei Tore. Dieser Stein ist ein Abbild des himmlischen Jerusalems. In der Offenbarung heißt es: Die Stadt, die von Gott kommt, ist viereckig, hat zu jeder Himmelsrichtung drei Tore. Diese Tore sind Tag und Nacht offen für jeden, der kommen will.

Für uns heutige ist es unfassbar, dass eine Stadt als Abbild des Himmels gilt. Für uns wäre es heute eher eine schöne Landschaft. Die Stadt ist hart und grausam und laut und unmenschlich. Für die Menschen des Altertums und des Mittelalters war es umgekehrt: das Land war unsicher, die Stadt war sicher zum Leben. Deshalb beeilte man sich, die Stadt zu erreiche, bevor die Tore zugemacht wurden. Wenn man zu spät kam, musste man vor den Toren der Stadt übernachten, was gefährlich war, weil hier das Recht des Stärkeren galt. In der Stadt Gottes kann man nicht zu spät kommen: Gott hält die Tore für die Menschen offen

Im Altar eingelassen sind die Reliquien von Jean de Brebeuf, SJ, der 1649 in Kanada von den Irokesen ermordet wurde, und von Maria Goretti, die am 6.7.1902 im Alter von 11 Jahren von einem Nachbarsjungen ermordet wurde, weil sie seine sexuelle Zudringlichkeit abwehrte.

Diese beiden Märtyrer sind symbolisch in das Tor zum himmlischen Jerusalem gestellt. Nicht der Tod, sondern Gott spricht das letzte Wort. Und das heißt für uns Leben, wie es sich in den Fenstern zur Offenbarung jubilierend widerspiegelt.

Im Tabernakel wird ein anderes Bild aus der Offenbarung aufgegriffen: Seht das Zelt Gottes unter den Menschen: das Zelt als Bild der Beweglichkeit Gottes. Er kann sein Zelt ganz schnell abbauen und an anderer Stelle aufbauen, wo es nötig ist, um Menschen nahe zu sein. In diesem Zelt, ein Bild für den Lebensweg, ist die Wegzehrung der Christen aufbewahrt: das Brot der Eucharistie.

Ambo und Priestersitze wurden dem Altar und dem Tabernakel angepasst.

Ein kurzer Text aus dem Buch der Könige:

Elija am Horeb: 19,113a

19:1     Ahab erzählte Isebel alles, was Elija getan, auch dass er alle Propheten mit dem Schwert getötet habe.

19:2     Sie schickte einen Boten zu Elija und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das antun, wenn ich morgen um diese Zeit dein Leben nicht dem Leben eines jeden von ihnen gleich mache. Isebel wagte es nicht, gewaltsam gegen Elija vorzugehen. Ihre Warnung sollte ihn zur Flucht zwingen und seinen Einfluss auf das Volk verhindern.

19:3     Elija geriet in Angst, machte sich auf und ging weg, um sein Leben zu retten. Er kam nach Beerscheba in Juda und ließ dort seinen Diener zurück.

19:4     Er selbst ging eine Tagereise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter.

19:5     Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein. Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss!

19:6     Als er um sich blickte, sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder hin.

19:7     Doch der Engel des Herrn kam zum zweitenmal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich.

19:8     Da stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.

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5. Station: Krypta - der Grundstein

Hier unten liegt der Grundstein: ein alter Stein aus dem Xantener Dom wurde verwandt. Am 4.12.1966 wurde der Grundstein feierlich gelegt. 1966 war das Konzil gerade ein Jahr vorbei.  Die Pfarrei existierte damals schon über drei Jahre. Am 15.3.1962 wurde sie gegründet durch die Veröffentlichung der Errichtungsurkunde im Amtsblatt des Erzbistums Köln.

Hier an den Fundamenten der Kirche gibt es einen Raum der Geborgenheit, in dem man bewusst wird, welches die Fundamente unseres Lebens sind, auf denen wir bauen. Es ist das gleiche Fundament, auf das auch Norbert gebaut hat.

Hier können Christen manches ablegen, was sie belastet und auf den Stein ablegen, der der Grundstein unserer Kirche ist: Jesus Christus.

In dieser Krypta wurden als Ersatz für eine Taufkapelle lange Jahre die Kinder getauft.

Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterPanoramaansicht des Kircheninnenraumes

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